Landwirtschaftliche
Erzeugergemeinschaft kauft Werk des insolventen Holzpelletherstellers Enviva
S t r a u b i n g . Der Agrarhändler Bayernhof aus
Hankofen im Landkreis Straubing-Bogen hat das Pelletwerk des insolventen Unternehmens
Enviva gekauft, um sich im Industriegebiet Straubing-Sand anzusiedeln. Insgesamt 3,5
Millionen Euro investiert Bayernhof in seinen neuen Standort, wie Geschäftsführer Stefan
Heinrich am Freitag bekannt gab. Nach ein paar Umbaumaßnahmen sollen hier künftig
vorwiegend landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dem Gäuboden über die Donau verschifft
werden.
Bereits seit Juni habe
sich Bayernhof um den Kauf des Pelletwerks von einer österreichischen Bank bemüht, so
Heinrich. Ende November wurde die Sache fix gemacht.
Gleichzeitig mit dem
Ankauf der Gebäude und Anlagen erfolgte auch der Ankauf des etwa zwei Hektar großen
Grundstückes. Insgesamt investiert Bayernhof 3,5 Millionen Euro in den reinen Lager- und
Logistikstandort. Die vorhandenen Silos und Lagerhallen des ehemaligen Pelletwerks fassen
derzeit rund 15 000 Tonnen Getreide. In den nächsten zwei bis drei
Jahren will Bayernhof diese Lagerkapazität auf 25 000 bis
50 000 Tonnen ausbauen.
Die Silos müssen für die
Lagerung von Getreide nur geringfügig umgebaut werden, so Heinrich. Denn die
Lagerungsbedingungen für Pellets sind denen für Getreide sehr ähnlich, sagt er.
Außerdem werde in das Werk eine Mais- und Getreidetrocknungsanlage eingebaut. Diese soll
Ende 2012, spätestens Mitte 2013 in Betrieb gehen. Aber bereits Ende Januar des nächsten
Jahres will Bayernhof mit der Getreideeinlagerung beginnen.
Bisher existiere vom
Pelletwerk aus noch keine Verbindung zum Nordkai des Hafens. Hier ist laut Heinrich der
Bau einer Förderbandanlage geplant, die bis Mai oder Juni 2012 fertiggestellt sein soll.
Für den Standort sind zunächst zwei bis vier Lagermeister vorgesehen. In der
Zukunft könnte die Zahl der Mitarbeiter hier aber wachsen, sagt der Bayernhof
Geschäftsführer.
Landrat Alfred Reisinger,
Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr, Aiterhofens Bürgermeister Manfred Krä
sowie Gründerzentrum-Geschäftsführer Andreas Löffert waren sich einig: Mit Bayernhof
habe sich ein Wunschpartner für das Industriegebiet gefunden.
Somit habe sich die Sorge
um die Zukunft des ehemaligen Pelletwerks erledigt. Zudem gehe man davon aus, dass
Bayernhof zur Steigerung der Umschlagsmenge des Hafens beitragen wird.
Bayernhof wurde 1990 von
bayerischen Landwirten und Erzeugergemeinschaften gegründet. Zunächst befand sich der
Hauptsitz in Freising bei München, später in Ergolding bei Landshut und seit zehn Jahren
ist er in Hankofen. Das Unternehmen hat außer in Hankofen und Straubing-Sand auch Lager
in Regensburg, Würzburg, Giebelstadt, Mühlhausen und Feldkirchen bei München. Insgesamt
verfügt Bayernhof über eine Lagerkapazität von 70 000 Tonnen. Aktuell vermarktet der
Agrarhändler Getreide und Ölsaaten von 14 Erzeugergemeinschaften, hinter denen rund 2
000 landwirtschaftliche Betriebe aus Bayern stehen. Der Vermarktungsschwerpunkt ist laut
dem Agrarhändler Bayern, aber Exporte gingen auch ins europäische Ausland sowie in
Drittländer. Darüber hinaus importiere Bayernhof auch Getreide aus anderen EU-Ländern,
um ausreichende Mengen und eine passende Qualität in Bayern zu gewährleisten, falls hier
eine Ernte einmal schlechter ausfalle. Die landwirtschaftlichen Produkte werden zum
großen Teil verschifft, aber auch Lastwagen und die Bahn dienen dem Unternehmen als
Transportmittel. Das Unternehmen beliefert in Bayern auch ganzjährig Mühlen, Ölmühlen,
Kraftfutterwerke und Malzfabriken. Einer unserer wichtigsten Abnehmer ist zum
Beispiel die ADM-Ölmühle hier im Industriegebiet und bei jedem 20. Bier kann der
Biertrinker sicher sein, dass unsere Braugerste drin ist, so Heinrich. Der
Getreidehandel sei im Vergleich zu anderen Branchen sehr solide. Zwar gebe es in diesem
Geschäft sehr große Preisschwankungen, bei der Warenmenge sei das jedoch nicht der Fall,
so Heinrich weiter.
Im vergangenen Jahr
erzielte Bayernhof einen Umsatz von rund 68 Millionen Euro. Für 2011 erwartet Heinrich
einen Umsatz von 75 Millionen Euro. Vielleicht kratzen wir sogar an der 80
Millionen-Euro-Marke, sagt er. 330 000 Tonnen Getreide werde Bayernhof dieses Jahr
vermarkten. Umgerechnet seien das 13 200 Lastwagen-Ladungen beziehungsweise 330
Schiffsladungen. 2010 betrug die Umschlagsmenge 322 000 Tonnen. Für das kommende Jahr
rechnet der Geschäftsführer aufgrund der schwankenden Getreidepreise mit einem Umsatz
von unter 75 Millionen Euro, aber mit einer Steigerung der Umschlagsmenge um fünf bis
zehn Prozent. Der Agrarhändler beschäftigt insgesamt 35 Mitarbeiter.
Der Pellethersteller
Enviva hatte, wie berichtet, im November 2010 Insolvenz anmeldet. Eine Überkapazität an
Pellets auf dem an sich schwierigen Markt, zu hohe Produktionskosten des Werks und
gescheiterte Investitionspläne nannte die damalige Geschäftsführung als Gründe für
die Insolvenz. Von der Pleite waren fast 50 Beschäftigte betroffen.
Text-Quelle Straubinger
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